7 July 2026

Starke Karrieren im Markt wirken manchmal nicht mehr stark genug.

Margot Goverts

Es gibt berufliche Phasen, in denen nach außen eigentlich alles stimmt — und sich innerlich doch etwas verschiebt.

Sie haben über Jahre Verantwortung getragen. Sie haben Ergebnisse geliefert, Teams geführt, Veränderungen begleitet und in komplexen Situationen Haltung bewahrt. Ihre Erfahrung ist real, Ihre Leistung ist belastbar. Und trotzdem kann es passieren, dass der Markt plötzlich nicht mehr so auf Sie reagiert, wie Sie es erwarten würden.

Nicht, weil Ihnen Substanz fehlt. Sondern weil diese Substanz nicht mehr klar genug lesbar ist.

Das ist ein entscheidender Unterschied.

Die Harvard Business Review beschreibt sehr treffend, dass die Bilder, die andere von Ihnen im Kopf haben, hohe-stakes-Entscheidungen wie Beförderungen und Jobangebote beeinflussen können. Dort heißt es: “The image people hold of you in their minds can influence high-stakes decisions like promotions and job offers.”

Genau dort beginnt für viele erfahrene Führungskräfte das eigentliche Thema. Nicht bei mangelnder Kompetenz, sondern bei der Frage, wie diese Kompetenz im Markt gelesen wird.

Der Markt liest nicht Ihre ganze Geschichte

Aus Ihrer eigenen Perspektive ist Ihre berufliche Laufbahn in der Regel sehr klar. Sie kennen die Zusammenhänge, die Brüche, die Übergänge und die Entscheidungen, die Sie getragen haben. Der Markt kennt diesen inneren Kontext aber nicht. Er sieht Stationen, Titel, Wechsel, Schwerpunkte — und bildet daraus in kurzer Zeit ein Bild.

Gerade bei nicht linearen oder vielschichtigen Karrieren ist das entscheidend. HBR schreibt dazu, dass es schwierig ist, wenn man einen nicht-standardisierten Karriereweg hatte und wieder einsteigen, aufsteigen oder in ein neues Feld wechseln will — in solchen Fällen hilft eine kohärente Geschichte.

Genau das erlebe ich in der Praxis sehr häufig: Fachlich ist alles da, aber das Profil wirkt im Markt nicht mehr so klar, wie es müsste. Dann fehlt selten die Substanz. Meist fehlt die Übersetzung.


Übergänge sind kein Randthema

Auf C-Level, in der Geschäftsführung, im Vorstand oder auf Bereichsleitungsebene verlaufen Karrieren selten linear. McKinsey beschreibt C-Suite-Transitions als einen Zeitraum, der bis zu 18 Monate dauern kann, und betont, dass erfolgreiche Übergänge davon abhängen, Prioritäten zu kommunizieren und die eigene Führungsrolle klar zu verstehen.

Das ist wichtig, weil viele Führungskräfte Übergänge zunächst als Störung erleben. Als etwas, das nicht zum eigenen Selbstbild passt. Als einen Moment, in dem man „eigentlich schon weiter sein müsste“. Doch berufliche Übergänge sind im Executive-Kontext kein Sonderfall. Sie gehören zur Realität.

Die HBR beschreibt Karriereübergänge ebenfalls als herausfordernd und verweist darauf, dass sich viele Menschen heute zwischen Rollen, Lernphasen und Neuorientierung bewegen. Karriere ist damit deutlich häufiger ein Prozess von Re-Invention als ein gerader Aufstieg.

Ein starkes Profil ist kein Lebenslauf, sondern ein lesbares Bild

Ein Executive-Profil muss nicht vor allem vollständig sein. Es muss verständlich sein.

Ein wirklich gutes Profil beantwortet nicht nur die Frage, was jemand getan hat. Es beantwortet die Frage, wofür diese Person heute steht, welchen strategischen Wert sie bringt und in welcher Konstellation sie besonders wirksam ist. Genau deshalb betont HBR auch, dass eine klare, kohärente Erzählung bei komplexen Karrierewegen so wichtig ist.

Wenn dieses Bild zu breit, zu technisch oder zu unruhig ist, entsteht schnell Unsicherheit. Dann sieht man zwar Erfahrung, aber keinen Kern. Substanz, aber keinen Fokus. Leistung, aber keine klare Richtung.

Und genau hier liegt auf Senior-Level oft der eigentliche Hebel: Entscheider suchen nicht nur Kompetenz, sondern Orientierung, Passung und Vertrauen. McKinsey zeigt in seiner Analyse von C-Suite-Transitions, dass erfolgreiche Führungskräfte ihre Prioritäten klar kommunizieren, ihre Teams ernst nehmen und ihre neue Rolle bewusst ausfüllen.


Was ich in der Beratung immer wieder sehe

Menschen kommen zu mir selten, weil sie fachlich ratlos sind. Sie kommen, weil sie spüren, dass ihr bisheriges berufliches Bild nicht mehr ganz trägt.

Oft sagen sie Sätze wie: „Ich werde nicht mehr so verstanden wie früher.“ Oder: „Ich bekomme Respekt, aber nicht die Resonanz, die ich gewohnt war.“ Oder: „Ich weiß, dass ich viel kann, aber ich bekomme es nicht klar genug vermittelt.“ Diese Erfahrung passt sehr gut zu dem, was HBR und McKinsey über Übergänge, Personal Brand und Lesbarkeit beschreiben.

Das ist kein kosmetisches Problem. Es ist ein strategisches.

Denn wenn Wirkung, Haltung und Marktansprache nicht mehr zusammenpassen, entsteht ein Spannungsfeld. Nach außen wirkt man vielleicht noch kompetent, aber nicht mehr klar. Erfahren, aber nicht mehr anschlussfähig. Belastbar, aber nicht mehr die naheliegende Wahl. Die Forschung und Praxisliteratur zu Karriereübergängen zeigt genau deshalb, wie wichtig es ist, die eigene Geschichte neu und stimmig zu ordnen.

Gute Executive-Begleitung heißt: zuerst sortieren, dann positionieren

In solchen Situationen arbeite ich nicht mit schnellen Formeln. Nicht mit allgemeinem Karriere-Sprech. Nicht mit dem Reflex, einfach nur sichtbarer werden zu wollen. Die Realität von Führungskräften in Übergängen ist zu komplex für pauschale Antworten.

Was sie brauchen, ist ein sauberer Blick auf ihre Lage. Auf das, was sichtbar ist. Und auf das, was zwischen den Zeilen bereits mitentscheidet. Genau das entspricht auch der Logik erfolgreicher Executive-Transitions: nicht nur reagieren, sondern die eigene Rolle, Prioritäten und Kommunikation bewusst führen.

Wenn diese Einordnung gelingt, verändert sich oft erstaunlich viel. Ein Profil wird ruhiger. Ein Narrativ wird klarer. Eine Führungskraft erkennt, wo sie zu viel erklärt und wo sie zu wenig zugespitzt hat. Und häufig wird erst dann sichtbar, welche Rollen wirklich passen — und welche nur auf den ersten Blick attraktiv wirken.

Das ist der Moment, in dem aus Unsicherheit wieder Souveränität entstehen kann.

Nicht durch Hektik. Sondern durch Präzision.


Leistung ist wertvoll. Wirkung entsteht durch Lesbarkeit.

Das ist der zentrale Gedanke.

Leistung allein schützt nicht davor, im Markt zu unscharf wahrgenommen zu werden. Erfahrung allein garantiert nicht, dass die nächste Rolle logisch anschließt. Und eine beeindruckende Karriere allein sorgt noch nicht dafür, dass Entscheider sofort erkennen, welchen Wert Sie heute mitbringen. Genau deshalb empfehlen die einschlägigen Veröffentlichungen zu Personal Brand und Karriereübergängen eine klare, aktuelle und konsistente Erzählung.

Das klingt nüchtern. Ist aber befreiend.

Denn wenn das Problem nicht die Substanz ist, sondern ihre Übersetzung, dann ist es lösbar.

Dann geht es nicht darum, sich neu zu erfinden.
Dann geht es darum, die eigene berufliche Geschichte so zu ordnen, dass sie wieder trägt.

Ich erlebe oft, wie viel Ruhe entsteht, wenn jemand plötzlich sagen kann: Jetzt verstehe ich, worum es eigentlich geht. Jetzt wird klar, warum es bisher zäh war. Jetzt sehe ich meinen eigentlichen Hebel. Das ist genau der Punkt, an dem gute Karrierearbeit Wirkung entfaltet.

Eine Einladung zur Einordnung

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Markt, Profil und Resonanz noch nicht sauber zusammenfinden, lohnt sich ein vertraulicher Blick auf genau diese Schnittstelle. Nicht, um schnell etwas zu optimieren. Sondern um präzise zu verstehen, worum es in Ihrer Konstellation wirklich geht.

Denn oft liegt der nächste Schritt nicht in mehr Aktivität.
Sondern in einer besseren Lesbarkeit. Und genau dort beginnt gute Executive-Arbeit.