Warum es auch in beruflichen Übergängen helfen kann, für einen Moment Unterstützung anzunehmen.
Vor einigen Wochen erzählte mir ein Freund eine Geschichte, die mich bis heute beschäftigt.
Er war am Münchner Hauptbahnhof unterwegs. Menschen eilten durch die Gänge. Rollkoffer. Durchsagen. Hektik.
Mitten im Strom der Reisenden fiel ihm ein blinder Mann auf. Er bewegte sich mit seinem Blindenstock vorwärts. Dann wieder zurück. Dann erneut in dieselbe Richtung. Immer wieder.
Als würde er versuchen, einen Ausgang zu finden, den er einfach nicht erreichen konnte. Er kam aus einer Ecke nicht mehr heraus.
Mein Freund beobachtete ihn einen Moment. Dann ging er zu ihm.
„Kann ich Ihnen helfen?“
Der Mann antwortete sofort: „Ja, bitte. Ich habe mich verirrt.“
Mein Freund fragte, wohin er wolle. Der Mann nannte sein Ziel und hakte sich bei ihm ein.
Wenige Minuten später war er dort angekommen, wo er hinwollte. Von dort aus konnte er wieder allein weitergehen.
Seitdem denke ich oft an diese Geschichte.
Vor allem dann, wenn Führungskräfte in meinem Büro sitzen.
Menschen mit beeindruckenden Lebensläufen. Menschen, die Verantwortung für Hunderte oder Tausende Mitarbeiter getragen haben. Die Unternehmen durch Krisen geführt haben und für andere immer die Antworten hatten.
Und dennoch höre ich immer wieder dieselben Sätze:
„Ich weiß gerade nicht, was der richtige nächste Schritt ist.“
„Ich komme nicht weiter.“
„Irgendetwas stimmt nicht.“
„Ich habe das Gefühl, mich im Kreis zu drehen.“
Das Problem ist nicht mangelnde Kompetenz.
Oft glauben Führungskräfte zunächst, sie müssten nur noch etwas mehr tun.
Mehr Bewerbungen. Mehr Gespräche. Mehr Netzwerk. Mehr Aktivität.
Doch manchmal ist Aktivität nicht die Lösung. Manchmal ist Aktivität nur Bewegung ohne Richtung.
Wer die Orientierung verloren hat, wird durch schnelleres Laufen nicht automatisch am Ziel ankommen. Im Gegenteil. Viele erschöpfen sich genau dadurch.
Was niemand sagt.
Es gibt einen Moment in vielen Karrieren, über den kaum gesprochen wird.
Der Moment, in dem man erkennt: Ich weiß nicht mehr genau, wo ich stehe.
Der Markt hat sich verändert. Die Organisation hat sich verändert. Die eigenen Prioritäten haben sich verändert.
Vielleicht ist die bisherige Rolle zu eng geworden. Vielleicht wurde eine Position unerwartet beendet. Vielleicht steht eine Neuorientierung an.
Vielleicht ist da einfach nur dieses diffuse Gefühl: „So wie bisher möchte ich nicht weitermachen.“
Und plötzlich stellen sich Fragen, auf die man selbst keine klare Antwort mehr hat.
Nicht weil man schwach wäre. Sondern weil man mitten im Bild steht.
Wer mitten im Bild steht, sieht den Rahmen nicht.
Unterstützung annehmen und den eigenen Weg weitergehen.
Was mich an der Geschichte vom Hauptbahnhof so berührt: Mein Freund hat den Mann ein Stück begleitet. Danach konnte dieser seinen Weg wieder allein fortsetzen.
Diesen Gedanken finde ich auch für berufliche Übergänge wichtig.
Es geht nicht darum, dass jemand die eigene Karriere übernimmt oder Entscheidungen für einen trifft. Es geht darum, gemeinsam auf eine Situation zu schauen, die man allein gerade nicht klar einordnen kann.
Unterstützung anzunehmen, stellt die eigene Kompetenz nicht infrage. Auch wer lange Verantwortung getragen und schwierige Entscheidungen getroffen hat, darf selbst Unterstützung brauchen.
Vielleicht befinden Sie sich gerade in genau so einer Situation.
Vielleicht stehen Sie an einem beruflichen Wendepunkt. Vielleicht drehen Sie sich seit Monaten um dieselben Fragen. Vielleicht spüren Sie, dass eine Entscheidung ansteht, können sie aber noch nicht greifen.
Vielleicht brauchen Sie keine Tipps. Keinen neuen Lebenslauf. Keine Motivationsparolen.
Sondern einfach ein Gespräch mit jemandem, der gemeinsam mit Ihnen auf die Situation schaut.
Von außen. Klar. Unvoreingenommen. Ohne Ihnen eine vorgefertigte Lösung überzustülpen.
Ein solches Gespräch muss nicht alle Fragen beantworten. Es kann aber helfen, die eigene Situation klarer zu sehen und einen nächsten Schritt zu erkennen.
Manchmal brauchen wir keinen neuen Weg. Manchmal brauchen wir nur jemanden, der uns hilft, den Ausgang wiederzufinden.
Wenn Sie das Gefühl haben, beruflich gerade an einem solchen Punkt zu stehen, lassen Sie uns sprechen.
Herzliche Grüße
Margot Goverts
Boutique Executive Career & Leadership Advisor